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Wie es eigentlich ist, ein Zwilling zu sein

Es gab Zeiten, da hat es uns angekotzt IMMER verglichen zu werden.
Das war so in unserer Jugend. Egal was wir taten, wir wurden verglichen.
Ilka kurzes Haar, Ines blondes Haar, was sieht nun besser aus?
Aber ist es nicht egal? Ist es nicht so, dass auch Zwillinge zwei Individuen sind?
Ich glaube jeder Zwilling weiß sehr genau, wie sich das anfühlt.
Oft haben wir immer nur gehört: „Ihr“ , „die Zwillinge“ , „die Beiden“
Wenn einer was angestellt hat, war der andere automatisch mit drin.

Ich hab von Zwillingen gehört, die das auseinander getrieben hat.
Die sich komplett äußerlich so unterschiedlich entwickelt haben, dass sie kaum mehr als Zwillinge wahrgenommen wurden.

Es war aber nur eine Phase. Letztendlich sind wir oft ganz unterschiedlich und doch so gleich.
Ein Widerspruch in sich, der aber doch sinnvoll ist.

Ich weiß noch genau den Tag als ich zum ersten mal ohne Ilka in die Schule musste.
Als wäre es gestern gewesen. Ich dachte jeder schaut mich an. Ich sehe bestimmt komisch aus.
Meine linke Seite kribbelte, denn dort lief doch sonst mein Schatten, mein zweites Ich, meine bessere Hälfte. Mein Zwilling.

Und plötzlich bin ich allein. Und doch nicht.
Wieder ein Widerspruch der Sinn macht.

Ich weiß nicht wie es ist kein Zwilling zu sein. Ich will es mir auch nicht ausmalen.
Ich glaube, ich wäre in meinem Leben sehr tief gefallen, hätte ich nicht diesen Menschen in meinem Leben der mein tiefstes Inneres versteht.

Ich würde es gern erklären, doch es ist mir nichts zu vergleichen.

Es ist, als würdest du für sie mit fühlen, für sie mit empfinden, Schmerz ertragen wenn sie leidet, weinen wenn sie weint, lachen wenn sie lacht, schreien wenn sie schreit.
Und doch ist es eher eine Ergänzung. Und wieder ein Widerspruch.
Ich liebe Widersprüche, denn sie tragen eine Wahrheit in sich.
Wenn Ilka schreit bin ich ganz leise, wenn ich weine bringt Ilka das Licht, wenn sie Schmerz erträgt, werde ich wie ein Fels der sie halten will.

Es ist, als wärst du niemals allein. Egal was ich fühle, ich werde niemals das Gefühl haben, allein damit zu sein.
Ich kann nichts vor ihr verstecken  und das brauche ich auch nicht.
Es gibt keinen Menschen den ich etwas erzähle und mich so verstanden fühle wie bei ihr.
Egal was ich sage. Und meine Meinung entspricht ganz sicher nicht der breiten Masse.
Aber das ist ein anderes Thema.

In vielen schweren Situationen hat mich Ilka gehalten, auch wenn sie nicht da war.
Allein der Gedanke an sie, hat mich wissen lassen, dass ich nicht fallen kann.
Und es gibt keinen Menschen der so genau weiß, was ich in meinem Leben durchgemacht habe.
Wirklich keinen, der weiß warum ich das mache, was ich mache und was mein Antrieb ist.

Ein Zwilling zu sein ist, als wärst du der Korb an einem Heißluftballon. Du wirst getragen und es kann rauf und runter gehen. Doch du wirst niemals fallen. Und es geht immer nur mit Korb und Ballon. Es funktioniert nur zusammen. Der Korb allein macht zwar auch Sinn. Auch der Ballon. Doch beides zusammen fliegt so hoch wie der Himmel weit ist.

Wenn ich Situationen erlebte, in denen ich mich schwach fühlte, stellte ich mir Ilka neben mich vor und war wieder stark. Es gibt nichts, was mit dieser Kraft zu vergleichen wäre.

Als sie mir sagte, sie sei schwanger, war es, als würde mir selbst die Nachricht überbracht werden, das ich selbst schwanger bin.
Es klingt verrückt, doch genau so ist es. Was ihr passiert ist von genauso großer Bedeutung, wie, wenn es mir passieren würde.

Und als ich ihr sagte, dass ich nochmal weg ziehen möchte, war das für mich richtig schwer.
Ich dachte, sie würde unendlich enttäuscht sein oder sauer.
Doch was sie sagte war, sie versteht mich und würde dasselbe in meiner Situation tun. In ihren Augen sehe ich manchmal diese unendliche Verständnis, dass ich nicht glauben kann, was für ein Glück ich eigentlich habe.

Ilka wird immer mein Zuhause sein. Wo sie auch sein mag. Ich bin so froh, das ich es in Worte nicht fassen kann, sie zu haben.
Sie hat mich gerettet. In vielen Situationen meines Lebens.

Und eins möchte ich noch sagen. Meine große Schwester Lisa. Ich liebe Sie so sehr das es weh tut:
Sie ist eine Lebenskünstlerin. Eine Querschwimmerin. Ein Freigeist. Ein Mensch der tickt wie meine Uroma. Sie ist speziell, ja. Aber genau das macht sie auch aus. Sie strahlt so viel Liebe und Leben aus, das andere Menschen sich sofort von ihr angezogen fühlen. Sie selber weiß gar nicht, was für ein Vorbild sie für viele Menschen ist. Sie lebt das Leben jeden Tag mit so viel Tiefe. Und spiegelt genau das den Menschen wider.

Ich danke Gott für diese beiden Schwestern in meinem Leben.

In einer sehr dunklen Zeit, waren sie so oft an meiner Seite und ich habe sie zurück gewiesen.
Sie sind nicht von meiner Seite gewichen und wenn ich so zurück denke, hätten sie allen Grund dafür gehabt.

Es gibt keinen Tag in meinem Leben an dem ich Gott nicht danke für dieses Geschenk.

Ich liebe euch so sehr.

In Liebe, Ines

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